Ich bin gerade auf einen Kollegen aufmerksam geworden, der auf seiner Homepage exklusive Leistungen wie zum Beispiel ein “spirituelles Webdesign” anbietet. Häh? Jetzt mal ehrlich, Yin & Yang und Feng Shui auf der Webseite? Klar, Webseiten sollen aufgeräumt und ansprechend aussehen. Aber das war es dann auch schon. Wer braucht denn eine Kreis-Kanten-Lehre und ein ausgeglichenes Chi auf dem Bildschirm?

Mir schwebt eher vor, der Herr möchte einen Hexensabbat für ein gutes Ranking der Seite abhalten:

Spirituelles Webdesign

Aber Spaß beiseite.

Wer eine Webseite betreibt, braucht Traffic. Das geht entweder mit Google Adwords (Werbeanzeigen) oder mit organischem Ranking, also dem Erscheinen in regulären Suchergebnissen. Der Vollständigkeit halber möchte ich zumindest anreißen, wie das funktioniert: Zunächst einmal muss man verstehen, wie das Internet und Google funktioniert, wenn man eine suchmaschinenfreundliche Seite erstellen möchte. Das Video von Matt Cutts erklärt einfach und für jeden Laien gut verständlich, wie die Suche bei Google geschieht.



Inhaltliche Zusammenfassung des Matt Cutts Videos

Der früher namenlose Google Guy ist heute das Sprachrohr von Google und ein Opinion Leader – was er sagt, ist Gesetz, wird aufgegriffen und diskutiert. Doch dazu später mehr. Hier die Inhalte des Videos prägnant zusammengefasst:

Dies sind die wesentlichen Vorausetzungen, die es zu kennen gilt. Jeder Webdesigner sollte sich an an die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung halten, was aber über die Onpage-Grundlagen hinausgeht, ist nur bedingt umsetzbar, aber ein leichtes, wenn man die wichtigste Regel im Web 2.0 befolgt: Verlinken, sharen und vor allem – Mitmachen! Die Präsentation reißt das Thema Suchmaschinenoptimierung (Onpage und Offpage) an.

Wir ergänzen die obige Auflistung um ein Learning aus der Präsentation:

Es ist vor allem dieser Punkt, der eine Manipulation ermöglicht – das grundsätzliche Problem für Suchmaschinen. Denn welche Verlinkungen aufgrund von manipulativem Spam und welche Links natürlich entstanden sind, ist rechenaufwendig. Schließlich ist eine Suchmaschine auch nur ein Computer und bewertet die Seiten nicht wie ein Mensch. Na gut, ein Supercomputer mit mehreren Datencentern in aller Welt, aber auch der verarbeitet nur Einsen und Nullen. Bei Milliarden Webseiten mit zig Milliarden Links sind massig Daten zu bewältigen.

Offpage

Den Richtlinien zuwiderlaufende Manipulationen unter dem Namen Black_Hat sind daher an der Tagesordnung, werden aber aufgrund komplexer Algorithmen auch immer besser erkannt. Denn letztlich gewinnen User-Metrics wie Absprungrate (Bounces), Empfehlungen aus Netzwerken (Google+) und individuelles Suchverhalten (Blockieren von Suchergebnisseiten) zunehmend an Bedeutung.

Doch auch hier gibt es suchmaschinenkonformes Linkbuilding – ebenso wie das oben genannte suchmaschinenkonforme Onpage. Wenn gute Inhalte publiziert werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese interessierte Leser anziehen, die den Inhalt weiterverbreiten wollen. Früher geschah dies durch Blogbeiträge, später wurden Bookmarks gesetzt, heute sind es die sozialen Netzwerke. Mit den Jahren wurden die User Metriken der soziale Netzwerke von Twitter und Facebook auch für Google atraktiv. Google versucht schon länger an diese Daten zu gelangen, kann aber nicht in Facebooks Datenflut einsehen und so startet Google konsequenterweise mit Orkut und Google+ eigene netzwerke. Wie stark diese Daten das Ranking einer Webseite beeinflussen, kann nur vermutet werden. Wie bedeutsam diese Daten sind, kann diese FAZ Grafik zeigen.

Suchverhalten-ändert-sich

SMO = Social Media Optimization

SMO ist die Abkürzung für ein Kunstwort aus Social, Media, und gängiger Suchmaschinenoptimierung. Social Media Optimization ist die folgerichtige Weiterentwicklung bisheriger Suchmaschinenoptimierung. Das bedeutet, dass Inhalte für Suchmaschinen optimal crawlbar und optimiert sein müssen. Zudem werden Inhalte zum Bewerben der eigenen Seite auf anderen Internetmedien (Webseiten wie Nachrichtenseiten, Blogs, Regierungsseiten, Netzwerken, Apps) veröffentlicht. Zu guter letzt – und das ist das neue – werden die Inhalte auf Zielgruppen und genutzte Netzwerke abgestimmt. Dazu ist mittlerweile eine umfangreiche Kenntnis über sämtliche Traffickanäle und deren Wirkungsweise nötig.

Das wesentliche Prinzip hinter SMO ist vor allem, das Inhalte

  1. wertvoll
  2. unterhaltsam
  3. zielgruppenorientiert

sind und sie damit mitteilungswürdig werden. Ziel ist es, auf einem bestimmten Fachgebiet ein anerkannter Opinion Leader zu werden. Dazu eignen sich Trend-Topics wie Mode oder Dauerbrenner wie Entertainment. Allerdings bedarf es mehr als lakonischer Tweets, eloquenter Wortakrobatik à la Sascha Lobo, schöner Fotos, kunstvoller Videos à la Martin Missfeldt, permanenter Onlinebereitschaft und aufwendiger Präsentationen à la Sabrina ;) – man braucht vor allem Ausdauer, denn die Reputation eines Spiegel Online erwirbt man sich nur mit mühevollem und jahrelangem Zeit-Investment. Und oft ist auch ein bisschen Glück im Spiel. Ein Bild sagt immer mehr als Tausend Worte, daher verweise ich auf die Folie 15 (Impossible circle becoming an Opinion Leader), bevor ich veranschauliche, was mit Opinion Leader gemeint ist:


Follow me


Google ist also dabei, die “Social Metrics”, also individuelle Nutzerauswertungen in die Suche miteinzubeziehen. Privatsphäre hin oder her, es ist die Möglichkeit, jenem die Inhalte anzuzeigen, für die sich auch sein soziales Netzwerk (Freunde, Familie, Bekannte) interessiert. Dieser “Social Graph” wird in diesem offiziellen Google Video angeschnitten, aber nicht gerade detailliert erklärt. Google bewahrt womöglich sein Geheimnis vor Bing.



Man darf allerdings nicht davon ausgehen, Netzwerken allein reiche aus, denn SEO ausschließlich mit SMM zu betreiben wird keine Erfolge zeigen, genauso wenig wie man in Zukunft ohne soziale Signale nicht mehr so gut ranken wird (SEOHeads). Es ist also die gesunde Mischung aus klassischem SEO mit Social Media Aktivitäten, welche die neue Ära des Social SEO einläuten.

Das wird am besten umgesetzt, indem zuerst eine Schulung für Social Media Manager realisiert, Prinzipien der Keywordrecherche beachtet, Twitter und Facebook genutzt und eine Social-KPI festgelegt werden. Um eine gesunde Mischung aus SMM und SEO kommt man nicht mehr herum. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen will und deutschsprachige Guidelines sucht, dem sei an dieser Stelle Christian Buggischs Blogbeitrag emfohlen.

Fazit:
Wer sich an die Richtlinien der Suchmaschinen hält, schafft mit Social Media Aktivitäten eine solide Basis für Traffic und beeinflusst mit Glück drastisch das Ranking.

3 Kommentare zu “Spirituelles Webdesign, SEO und … SMO?!”

  1. Chris sagt:

    Wow, richtig gut geschrieben der Artikel !! Sollte jeder mal durchgelesen haben der sich mit SEO beschäftigt!

  2. Minna Lund sagt:

    Sehr guter Artikel und sehr gut und interessant geschrieben!

    • Sabrina Schur sagt:

      Danke für das Lob. Auf deinen Hinweis hin, werde ich Bloglovin hinzufügen. Das kann wohl nicht schaden, hat schließlich eine riesige Community.

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